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20. Juni 08

Vintage Port 2005 - Report

Ein Beitrag und Fotos von Axel Probst

Vintage2005-foto2-300 REPORT 2005


Portweinproduzenten haben unterschiedliche Strategien, nach denen sie Vintage Port deklarieren. Einige tun dies häufiger, einige weniger oft. Eine alte Regel besagt: 3 Mal pro Dekade. Ein Ausweg, diese Regel weiter zu beachten und trotzdem mehr und häufiger Vintage Port zu produzieren, sind die Single Quinta Vintage Ports (SQVP) und 2005 ist ein Jahr der SQVPs.

BACKGROUND - Die größeren Portweinhersteller besitzen in der Regel mehrere Quintas, d.h. Gebiete, in denen sie Trauben für ihre Portweine anbauen. Bei einer generellen Deklaration nehmen die Produzenten die besten Trauben ihrer Quintas und mischen daraus den bestmöglichen Wein. Diese Weine sind dann Taylors Vintage Port oder Cockburns Vintage Port ohne weitere Namenszusätze.

Sind die Jahre nicht perfekt und die Marktsituation entsprechend, tendieren die Hersteller immer häufiger dazu, Single Quinta Vintage Ports herzustellen. Für den Anfänger ist diese Unterscheidung recht schwierig. Meist sind SQVP preiswerter als ihre generell deklarierten Brüder. Bei den SQVP findet man auf dem label meist eine Zusatzbezeichnung wie Taylors Quinta de Vargellas, Cockburns Quinta dos Canais oder Grahams Quinta dos Malvedos. Besonders schwierig wird es z.B. bei der Quinta do Vesuvio oder der Quinta do Noval. Diese Weine sind immer SQVP, variieren aber mit den Jahren qualitativ z.T. erheblich. Eine weitere Ausnahme bildet Fonseca, die in Jahren wie 2005 Fonseca Quinta do Panascal und Fonseca Guimaraens Vintage Port herstellen. Der letztere unterscheidet sich auf dem Etikett tatsächlich nur durch die Namensgebung bei sonst nahezu identischem Layout.

Falls Sie in dieser Thematik noch nicht sicher sind, zögern Sie bitte nicht, mir eine kurze email zu schreiben und ich beantworte Ihnen Ihre Fragen gerne individuell. Aufgrund von lückenhaftem Wissen können einem gutgläubigen Käufer hier bedeutsame Fehler unterlaufen.

KLIMA - Doch nun genug Theorie, kommen wir kurz zum Wetter des Jahres 2005. Der Winter 2004/ 2005 war sehr trocken. Obwohl die Trockenheit bis weit in das Jahr 2005 anhielt, beurteilten viele Winzer die Blütezeit mit mäßigen Niederschlägen als sehr gut. Der Sommer war von großer Hitze und einigen Großbränden geprägt, denen auch ein nicht unwesentlicher Teil der Korkeichen im Süden Portugals zum Opfer fielen. Da auch der Sommer nur sehr wenig Niederschlag brachte, senkte dies die Hoffnungen auf einen guten Portweinjahrgang. Der September brachte viel Regen, der den Trauben den nötigen Schliff mitgab. Glücklicherweise klarte der Himmel pünktlich zur Ernte auf, so dass die Erzeuger ihre Trauben trocken einfahren konnten. Die große Trockenheit des Jahres führte 20% geringeren Erträgen als 2004.

OPEN UP – Alle Weine habe ich mindestens sechs Stunden vor dem Verkosten dekantiert. Obwohl einige Kritiker der Ansicht sind, dass man junge Vintage Ports nicht dekantieren muss, sehe ich dies anders. Bei einigen kann man (teilweise erst nach 2 Tagen) ein regelrechtes Aufblühverhalten beobachten – wie ihren älteren Brüdern. Zusätzlich kann man durch ihr Verhalten an der Luft Rückschlüsse auf ihr Alterungspotential ziehen. Viele der Weine habe ich 2007 bereits z.T. als „Cask-Sample“ auf den Quintas oder in Vila Nova de Gaia verkostet; alle aber nochmals 2008 in Deutschland als fertigen Vintage Port.

FAZIT VORAB – Dieser Jahrgang ist nicht 2000 und auch nicht 2003; sowohl preislich als auch in Bezug auf Intensität und Alterungspotential, da fast allen das massive Tanningerüst fehlt. Seitens der Hersteller existiert keine allgemeine Tendenz - einige betonten im direkten Gespräch die herausragende Qualität ihrer Vintage Ports 2005, andere waren der Ansicht, dass 2004 bessere Portweine hervorgebracht hat. Persönlich gefällt mir 2005 besser – die Weine liegen qualitativ enger beieinander. Keine Blockbuster, aber viel Frucht und frühe Zugänglichkeit sollten diesem Jahrgang einen angemessenen Platz im Keller einräumen. Der Markt für „special category ports“ ist allerdings derzeit gesättigt, so dass sich der ein oder andere Hersteller erfahrungsgemäß nach einer Weile zu Sonderkonditionen hinreißen lassen wird. Dann aber sollte man sich diese Weine nicht entgehen lassen.

Die Sogrape-Gruppe hat keinen 2005er Vintage Port deklariert, so dass man die Marken Ferreira, Offley und Sandeman vergeblich sucht. Auch Vintage Ports von Vale Meao und Delaforce sind nicht erhältlich.

Zunächst hatte ich nicht vor, alle Weine des Jahrgangs zu verkosten. Nachdem es aber dann immer mehr geworden sind, bin ich der Sammlerleidenschaft erlegen und der Ansicht, dass nur ganz wenige fehlen. Besonders überrascht war ich vom Carvalhas 2005, den ich aber auf der Blindverkostung "Portugals Best 10 wines" auf der Essencia do vinho im März 2008 in Porto trinken durfte und den ich – wie es ich im Nachhinein herausgestellt hat – auch schon in meiner Sammlung hatte, nur mit anderem label…

Vintage2005-foto300















 


Verkostet wurden (in alphabetischer Reihenfolge):
ANDRESEN VP 2005
VALE DE ABRAÃO VP 2005
BARROS VP 2005
BORGES VP 2005
BURMESTER VP 2005
CALEM VP 2005
COCKBURNS QUINTA DOS CANAIS VP 2005
CRASTO VP 2005
COTTO/ CHAMPALIMAUD VP 2005
CROFT QUINTA DA ROEDA VP 2005
CHURCHILL’S QUINTA DA GRICHA 2005
DALVA VP 2005
DOW´S SENHORA DA RIBEIRA VP 2005
DOW’S QUINTA DO BOMFIM VP 205
FONSECA QUINTA DO PANASCAL VP 2005
FONSECA GUIMARAENS VP 2005
GILBERT VP 2005
GRAHAMS MALVEDOS VP 2005
KOPKE VP 2005
KROHN VP 2005
RETIRO NOVO 2005
LA ROSA VP 2005
MESSIAS VP 2005
NIEPOORT VP 2005
NOVA DE NOSSSA SENHORA DO CARMO VP 2005
NOVALS QUINTA DO SILVAL VP 2005
PACHECA VP 2005
PASSADOURO VP 2005
PINTAS VP 2005
POCAS VP 2005
PORTAL VP 2005
RAMOS PINTO QUINTA DA ERVAMOIRA VP 2005
ROMANEIRA VP 2005
RORIZ VP 2005
ROYAL OPORTO VP 2005 bzw. QUINTA DAS CARVALHAS VP 2005
ROZÈS VP 2005
SEARA D’ORDENS VP 2005
TAYLORS TERRA FEITA VP 2005
TAYLORS VARGELLAS VP 2005
TECEDEIRAS VP 2005
VALE DONA MARIA VP 2005
VALLE LONGO VP 2005
VESUVIO VP 2005
VENTOZELO VP 2005
VISTA ALLEGRE VP 2005
WARRE’S CAVADINHA VP 2005


Da die Verkostungsnotizen der über 40 Weine für den blog zu umfangreich sind, drucke ich sie hier nicht ab. Sollten Sie Interesse an den einzelnen Notizen haben, schicken Sie mir bitte eine kurze mail an: axelprobst@worldofport.de und ich sende Ihnen den kompletten Artikel gerne zu.


Axel Probst

Siehe auch den Beitrag von Axel Probst 'Essencia do Vinho 2008' v. 21.3.2008

und Roy Hersh 'Roy's 2005 Vintage Forecast' vom 27.11.2007

Hier finden Sie alle lieferbaren Vintage Ports 2005 vom Portwein-Shop.

19. Juni 08

BOM DIA Portugal oder ADEUS Deutschland?

NDR_Film_1_web800 Eigentlich wollte ich ja bei dieser Fußball-EM keinen Beitrag schreiben, aber dann kam das Fernsehen.... nein, nicht zu mir, sondern zu 'Bom Dia'  in der Hüxstraße in Lübeck. Dass Maya eine Expertin für portugiesische und spanische Weine ist, wußte ich ja. Aber auch Fußballexpertin....?
Ihr Tipp, öffentlich-rechtlich geoutet, ist: 2 :1 für Portugal.

Zu sehen ist der Beitrag heute Abend zwischen 19.30 und 20 Uhr auf N 3 in der Rubrik "Drei gegen Delling".

Sollte es ein Endspiel Portugal - Spanien geben, dürfte das Fernsehteam wiederkommen.

Ach ja, mein Tipp ist: 2 . 2 und dann Elfmeterschießen....

Ralf tippt 2 : 0 für Portugal, siehe Kommentar.

OK, wer das Ergebnis richtig tippt (Eingänge bis 20.45 Uhr werden berücksichtigt) bekommt 1 Flasche Dourowein, oder Moselwein - je nachdem...vom Portwein-Shop.

18. Juni 08

IVDP eröffnet eigenen Wein-Shop in Porto

Loja do Porto 2 Das 'Instituto dos Vinhos do Douro e Porto', IVDP, hat in Porto in ihrem eigenen Gebäude in der Rua Ferreira Borges einen  Weinshop eröffnet. Ziel ist es nicht nur, die Douro- und Portweine zu promoten, sondern auch den Besuchern, vor allem Touristen, die Arbeit des Instituts zu zeigen.
Bei meinem nächsten Aufenthalt in Porto werde ich dort vorbeigehen und anschließend berichten. Vielleicht war ja auch schon ein Leser dort....

Der Laden ist von Montag bis Samstag täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.





Foto: IVDP

14. Juni 08

Gold für Douroweine auf der 'International Wine Challenge 2008'

Iwc_logo Lediglich 6 Goldmedaillen gab es für portugiesische Tafelweine. 2 gingen in den Alentejo und 4 in den Douro:

- Casa Ferreirinha Touriga Nacional Douro Red 2005
- Qta. da Gaivosa Douro Red 2005
- Qta. do Noval Douro Red 2004
- Qta. do Portal Grande Reserva Douro Red 2005

13. Juni 08

Gold für Portweine auf der "International Wine Challenge 2008"

Wine_international_logo Und hier ist die Liste der Portweine, die auf der  'International Wine Challenge 2008' eine Goldmedaille erhielten:




- Burmester Colheita Port 1989
- Dow's Crusted Port 2002
- Dow's Vintage Port 1985
- Graham's Crusted Port 2002
- Graham's LBV Port 2003
- Kopke Vintage Port 2005
- Qta. da Gricha (Churchill) Vintage Port 2006
- Qta. da Madalena (Smith Woodhouse) Vintage Port 1996
- Qta. da Senhora da Ribeira (Dow's) Vintage Port 2005
- Ramos Pinto 30 Years Old Tawny Port
- Sandeman  30 Years Old Tawny Port
- Sandeman LBV  Port 2000
- Taylor's (Marks and Spencer) Vintage Port 1994
- Taylor's (Mentzendorff u. Co.) Vintage Port 2002
- Warre's Vintage Port 1985

12. Juni 08

Gold für Madeiraweine auf der 'International Wine Challenge 2008'

Wine-challenge-logo  Auf der jährlich stattfindenden weltweit größten Weinprämierung, der 'International Wine Challenge' erhielten in diesem Jahr 2008 folgende Madeiraweine eine Goldmedaille:

- Blandys Bual Vintage 1920
- Blandys Bual Vintage 1977
- Blandys Sercial  Vintage 1966
- Blandys Malmsey Harvest 1999
- Henriques & Henriques 15 Year Old Verdelho

Weitere Madeiraweine im Madeirawein-Shop finden Sie hier.

09. Juni 08

Madeirawein-Verkostung in Wiehl 6/2008

Beitrag und Foto von Dr. Peter Reutter

Madeira-tasting1

 

Schon seit dem gemeinsamen Treffen auf der Prowein 2008 war bei vier Anhängern des Madeiraweins der Plan für eine Madeira-Verkostung im kleinen Rahmen gereift. Und wie Madeirawein dies vormacht, sorgt eine gewisse Reife für bessere Ergebnisse. So war es auch hier, als wir uns dann endlich am Sonntag, dem 8.6.2008 in Wiehl zur gemeinsamen Verkostung von 8 alten Madeiraweinen trafen. Unsere Gastgeber Maik und Claudia hatten ein herrliches Menu vorbereitet, mit dem wir eine gute Grundlage für die Verkostung legten. Nach leckerer Mozarella im Speckmantel, saftigen Schweinelendchen mit Artischocken an Basmatireis und einer wunderbaren Erdbeermousse ging es gut gestärkt an die "Arbeit". Zur Verkostung standen 8 Weine mit einem Durchschnittsalter von 103 Jahren und insgesamt 821 Jahren Weingeschichte Madeiras. Der älteste Wein war 173, der jüngste Wein 52 Jahre alt.

 

Die Reihenfolge war wie folgt:

Älter als 40 Jahre, Verdelho-Blend, Manuel Eugenio Fernandez Lda.

1955er Verdelho, Manuel Eugenio Fernandes Lda.

1882er Verdelho, AO-SM/Miles

1835er Brown Madere Imperial, Nicolas-Charenton-Seine

1925er Boal, H. M. Borges Lda.

1900er Boal, Adegas de Torreao Vinhos Lda.

1890er Malmsey, Cossart Gordon

1900er Moscatel, D'Oliveira

Als besonderen Abschluss gab es anschließend noch einen

Porto Dom Rozès,  40 Years Old Tawny Port

 

Die Weine im Einzelnen:

 

Älter als 40 Jahre, Verdelho-Blend, Manuel Eugenio Fernandez Lda.

Dieser Wein war von Manuel Eugenio Fernandez als private Reserve angelegt und anlässlich seines 96. Geburtstages nach 52 Jahren Lagerung im Jahr 2002 von der Madeira Wine Company auf Flaschen gezogen worden. Da die derzeit geltenden Bestimmungen des IVBAM einen 50YO Blend nicht vorsehen, konnte der Wein nur als 40YO Blend etikettiert werden. Dieser Verdelho-Blend zeigte sich mit hellem Jodbraun, etwas trübe und mit viel Glycerin am Glas. In der Nase war der Wein zunächst sehr verschlossen, mit viel flüchtiger Säure und wenig Frucht. Allerdings war die Flasche erst am Abend zuvor geöffnet worden, so daß wir Hoffnung auf eine gute Entwicklung hatten. Und tatsächlich, nach drei Stunden war der Wein sehr schön geöffnet, mit herrlich fruchtiger Nase und viel Vanille. Im Mund war er zunächst scharf und brandig gewesen, nach 3 Stunden dann aber mit schöner Frucht, viel Säure, gut ausbalanciert mit ausreichend Süße, dann zum Ende hin mit sahniger Toffee-Note, Cognac und fruchtigem Finish. Ein schöner Wein, der gut demonstrierte wie wichtig eine ausreichende Belüftung bei Madeirawein ist.

 

1955er Verdelho, Manuel Eugenio Fernandes Lda.

Diese Flasche trug kein IVM- oder IVBAM-Siegel, ein Abfüller war nicht vermerkt. Die Farbe war ein helles, klares und brillantes Jodbraun mit Tawny-farbenem Rand. Auch dieser Wein war erst am Abend zuvor geöffnet worden, so dass er sich ebenso wie der erste Wein in der Nase noch sehr verschlossen zeigte, mit wenig Toffee und etwas flüchtiger Säure. Nach 3 Stunden war der Wein besser geöffnet, aber nicht in dem Maße wie beim ersten Wein. Somit war eine gerechte Beurteilung eigentlich nicht möglich. Ich bin mir sicher, dass er mit mehr Zeit zum Atmen noch deutlich gewonnen hätte. Im Mund war er jedenfalls recht trocken, etwas brandig mit wenig Frucht und leicht bitterem Finish, insgesamt dem ersten Wein ähnlich, aber in der Art leichter. Diesen Wein werde ich mir zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal vornehmen müssen.

 

1882er Verdelho, AO-SM/Miles

Diesen Verdelho erwarb die Madeira Wine Company in den 1970er oder 1980er Jahren von D'Oliveiras, was auf der Flasche noch an den Buchstaben AO-SM (Anibal D'Oliveira, Sao Martinho) zu erkennen war. Zum Teil wurden diese Buchstaben AO-SM später auch von den schon gefüllten Flaschen entfernt. Der Wein zeigte sich mit einem warmen und dunklen Jodbraun und viel Glycerin am Glas. Die Nase war herrlich rund und harmonisch, mit etwas flüchtiger Säure, genau der richtigen Menge um für zusätzliche Komplexität zu sorgen, dazu Toffee und Datteln. Im Mund war der Wein perfekt ausbalanciert mit viel Säure und mittlerer Süße, rund und harmonisch, Frucht, Rosinen, Toffee und Creme brulée, dazu im Hintergrund interessante Röstaromen, die auch im langen fruchtigen Abgang noch einmal hervortraten. Ein wunderbarer Wein und der erste Höhepunkt dieser Verkostung!

 

1835er Brown Madere Imperial, Nicolas-Charenton-Seine

Nachdem ich schon zweimal das Glück hatte, diesen Wein kosten zu können, waren aller guten Dinge nun drei. Die Flasche war auf einer Auktion in Skandinavien erworben worden und leckte während des Transportes. Als Kandidat für die nächste Verkostung hatte ich den undichten Korken einfach nur übersiegelt und die Flasche (wie es sich für Madeira gehört) stehend gelagert. Der bekannte Weinhändler Nicolas hatte bis in die 1970er Jahre einige kleine Fässer mit altem Madeira, die nach und nach auf Flasche gefüllt wurden. Der Wein war 8 Tage vor der Verkostung dekantiert worden und hatte dabei initial ein widerliches Aroma von Pferdeschweiss und Unmengen flüchtiger Säure gezeigt. Jetzt war die Farbe ein schöner mittelheller Ebenholzton und die Nase zeigte zwar immer noch etwas flüchtige Säure, aber auch Frucht, Toffee und Veilchen. Im Mund schmeckte man viel Säure, die aber harmonisch eingebunden war, ausreichend Süße als Gegengewicht, Frucht, Veilchen, auch hier ein röstiger Hintergrund der in einen langen und leicht bitteren Abgang mündet. Ein konzentrierter Wein und sehr vielschichtig.

 

1925er Boal, H. M. Borges Lda.

Die Flasche in Bocksbeutelform mit Strohhülle weckte zunächst übelste Assoziationen an die billligen dreijährigen Weine, die auf Madeira an ahnungslose Touristen verramscht werden und zum Teil den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen. Die Flasche trug ein JNV-Authentizitäts-Siegel aus den 1970er Jahren, welches sich beharrlich auf der Stohhülle festklammerte. Im Glas zeigte sich der Wein mit mittelhellem Jodbraun, in der Nase war er herrlich rund und harmonisch, viel Toffee, fruchtig, etwas Veilchen, und noch eine interessante Röstnote dazu. Im Mund schaltete der Wein noch einen Gang herauf, zeigte viel Frucht und noch mehr Karamell, viel Toffee dazu, rund und komplex zugleich, etwas Veilchen dazu, mit langem Toffee-Finish und schöner Säure-Süße-Balance. Sicher hatte der Wein davon profitiert, dass die Flasche schon drei oder vier Monate geöffnet gewesen war, aber trotzdem: was für ein herrlicher, klassischer Boal. Ein weiterer Höhepunkt der Verkostung.

 

1900er Boal, Adegas de Torreao Vinhos Lda.

Diese Flasche mit IVM-Papiersiegel war in Portugal gekauft worden. Leider war der Aufdruck etwas verwaschen, aber die Aufschrift war noch erkennbar und der Korken war mit "Adegas de Torreao, Vinhos, Lda, Madeira" üppig beschriftet. Der Wein präsentierte sich mit mittelhellem Jodbraun und einer runden und harmonischen Nase von Toffee und Lebkuchen. Im Mund sprang einen der Wein förmlich an, mit viel Säure, einer leichten Schärfe die aber schnell verflogen war, Karamell, Toffee, Frucht, und dann... ein kurzer und leicht bitterer Abgang. Nach dem imposanten Auftakt hätte ich mir etwas mehr Länge gewünscht, aber der Wein war trotzdem interessant. Nach drei Stunden im Glas entwickelte er etwas mehr Länge, und das obwohl er 8 Tage zuvor bereits mehrfach dekantiert worden war.

 

1890er Malmsey, Cossart Gordon

Einen weiteren Höhepunkt der Verkostung stellte dieser Malmsey dar. Mit dunklem Jodbraun und runder und harmonischer Karamellnase zeigte er erst im Mund seine volle Stärke, dann aber umso beeindruckender. Viel Süße, gut ausbalancierte Säure, Rosinen, Brot, ganz viel Karamell, auch viel herrlich sahniger Toffeegeschmack dazu, rund und lecker, dann ein Wechsel zu mehr röstigen Aromen, Kaffee, Molasse, und zuletzt ein langer Abgang mit viel Toffee, wobei die Röstnoten dafür sorgten, dass der Wein nicht klebrig sondern sehr angenehm wirkte. Ein toller Malmsey, klassisch, komplex und perfekt ausgewogen!

 

1900er Moscatel, D'Oliveira

Auch wenn ich diesen Wein gut kenne (und sehr schätze) begeistert er mich doch jedes mal aufs Neue. Dieser Moscatel ist einer der wenigen Madeira-Mosacatels die es überhaupt noch gibt, neben dem 1875er Moscatel ebenfalls von D'Oliveira und der Moscatel Reserva Velha von Artur de Barros e Sousa. Der Wein zeigte sich mit einem warmen Dunkelbraun mit leicht orangem Rand. In der Nase dominierten fruchtige Süße, Feigen und eine dezente Brotnote. Im Mund war der Wein fast überwältigend süß, aber die noch ausreichende Säure pufferte die Süße perfekt ab. Dazu kamen Rosinen, Karamell und etwas Molasse, auch hier verhinderte eine Röstnote den Eindruck von Klebrigkeit. Ein Klassiker, der immer wieder begeistert - und ein würdiger Abschluss der Verkostung!

 

Porto Dom Rozès, 40 Years Old Tawny

Sozusagen als Nachtrag gab es noch diesen sehr interessanten Tawny in einer altertümlichen Flasche zu kosten. Mit schönem Ziegelrot und traubig-fruchtiger Nase erinnerte der Wein fast an einen Moscatel de Setubal. Auch im Mund zeigte sich dieser Tawny sehr fruchtig und traubig, süß und rund, mit Anklängen an Moscatel de Setubal. Ein beeindruckender Wein mit toller Frucht!

 

Im Handumdrehen waren 5 Stunden vergangen und die Verkostung hatte ihr Ende erreicht und es galt, den Heimweg anzutreten. Als Fazit blieben beeindruckende Weine und der Vorsatz eine solche Verkostung mit einigen zusätzlichen Weinen und Teilnehmern zu wiederholen. So herrliche alte Madeiraweine zu verkosten ist zu schön, als dass man es für sich alleine im stillen Kämmerlein (oder Weinkeller) tun sollte. Interessenten an einer Neuauflage einer Madeiraweinverkostung mit 12 bis 15 Teilnehmern und ebenso vielen Weinen sind herzlich eingeladen, sich mit einer kurzen Email im Port-Blog vormerken zu lassen. Zum Abschluss noch ein großes Danke und Maik und Claudia für die Ausrichtung der Verkostung und das tolle Menu sowie die beeindruckenden Weine. Und last but not least geht ein großes Danke an Gerdinho für drei seltene und sehr leckere Raritäten. Von euch Dreien lasse ich mich jederzeit wieder zum Verkosten einladen :-)

Madeira-tasting2-alle Die Teilnehmer von links nach rechts: Maik, Gerd, Peter und hinter der Kamera, Claudia

 

07. Juni 08

THERE IS A NEW PORT IN TOWN

Fotos und Artikel von Axel Probst   

Eine so traditionelle Branche wie die des Portweins erfaehrt doch sehr selten Innovationen. Zu sehr profitieren die Hersteller von den alten Geschichten rund um den Port.

Croft-pink2-300jpg  Seit ein paar Jahren hat sich diesbezueglich doch ein gewisser Wandel eingestellt. So haben viele Hersteller mindestens zusaetzlich einen „robotic lagar“ in ihren Produktionsstaetten implementiert, der das menschliche Traubenstampfen zumindest in Teilen ersetzt. Auch findet man immer wieder Portweinflaschen, die durch ihr modernes Design auffallen. Porto Solene, Warre’s Otima und Gilberts Vintage Port 2005 sind hier ein paar Beispiele. Um allerdings ein Datum ausfindig zu machen, zu dem eine voellig neue Art des Portweins produziert wurde, muss man sicherlich in das 19. Jahrhundert zurückblicken. Das Jahr 2008 ist nun auch ein solches Jahr, das Jahr des PINK-PORT von Croft.

BACKGROUND
Hergestellt wird er von dem zum Taylors Fladgate Imperium gehoerenden Haus Croft, das auf eine sehr lange Geschichte zurückblickt. Gegruendet vor ueber 300 Jahren war John Croft im 18. Jahrhundert eine der maßgeblichen Personen im Portweinhandel. Bereits 1788 schrieb er „Treatise on the wines of Portugal“, eine der ersten Abhandlungen über den Portwein.

Croft-pink3-300 PRODUCTION
Pink-Port wird genau so hergestellt, wie der rote oder weiße Portwein. Der Unterschied zu den roten Portweinen besteht in der Dauer, in der die Traubenschalen Kontakt zum Most haben und somit die Rosefarbe erzeugen. Produziert aus den Sorten Touriga Nacional, Touriga Francesa, Tinta Roriz, Tinto Ciao, Tinta Barroca und Tinta Amarela greift der PINK PORT auf die gleichen Traubensorten wie die roten Portweine zurueck.

VERKOSTUNGSNOTIZEN
„Chilled or over ice“. Die Farbe und das Glitzerdesign des labels laesst eine Kaeuferschicht erahnen: Weiblich und jung. Meine Tochter hat sich mit ihren 6 Jahren in das Etikett fast verliebt. Wenn man ihn eiskalt genießt, ist die Nase extrem verhalten: ganz leicht schimmert eine leicht kuenstlich wirkende Frucht durch. Im Mund sueß mit Medizin-Noten. Bleibt recht lange im Mund.


Croft-pink1-300 WIRD ER BLEIBEN?
Wie soll man ein neues Produkt beurteilen, wenn man es nicht selbst probiert. Der PINK-PORT wird nicht mein Favorit, aber das ist der White Port auch nicht und auch der hat durchaus sein Marktsegment. Ich hoffe jedoch, dass die meisten danach auch mal einen richtigen Portwein trinken.

Wie immer: Bei Fragen oder Anmerkungen freue ich mich über eine kurze mail an: axelprobst@worldofport.de

Siehe auch Punkt 1 der gestrigen Infoportwine-News

06. Juni 08

Juni-News von 'Infoportwine' seit heute on-line

Die neuen News von 'Infoportwine' sind online. Beachtenswert finde ich besonders den 1. Punkt über "Pink-Port". Hier sind alle Themen:
The first rosé “Port Wine”.
-
New design Cockburn’s.
-
Sogevinus starts shop in Gaia.
-
Sales numbers January - March 2008.
-
IVDP events calendar as of June 2008.
-
Revista de Vinhos no. 222, May 2008.
-
Master of Port in France.
-
International Wine Challenge 2008.
-
International Wine and Spirit Competition 2008.
-
Decanter World Wine Awards 2008.
- Les Citadelles du Vin 2008 - Bourg-sur-Gironde.
- Critics Challenge 2008 - San Diego.

02. Juni 08

Quinta do Portal

Quinta-do-portal-kachelbild240 Zwar ist der FTLOP-Newsletter von Roy Hersh inzwischen leider nur noch gegen cash erhältlich, aber einige Artikel sind nach wie vor kostenfrei zu lesen. So auch der Bericht von Roy Hersh über die Quinta do Portal, zusammen mit einigen Verkostungsnotizen, z.B.:

- Qta. do Portal LBV Port 2003  93+ Punkte
- Qta. do Portal 10 Years Old Tawny Port  92 P.
- Qta. do Portal Vintage Port 2003  95+ P.
- Qta. do Portal Vintage Port 1999  92+ P.

Weitere Fotos finden Sie bei flickr-Portwein ( Quintas im Douro).
Die Portweine der Qta. do Portal im Portwein-Shop finden Sie hier.

Foto: Gerd Gerhard 2006

01. Juni 08

Jamie Goode liebt Portugal....

Jamie Goode, Weinschreiber und Herausgeber von 'wineanorak', macht mit seiner Familie Urlaub in Portugal.  Selbstverständlich schreibt er in seinem Blog nicht nur über seine Erlebnisse in den Swimming-Pools der Hotels, sondern auch über seinen Besuch einer Korkfabrik von Amorim und seinen Eindrücken von den Weinen, die er bei einem Abendessen mit Dirk Niepoort verkostet, u.a. ein Pinot Noir 2006 Douro (Fassprobe) und ein Niepoort Vintage Port 1963.
Wie immer ist es sehr interessant, ihn auf seiner Reise zu begleiten....

25. Mai 08

Weine aus Portugal auf Deutschland-Tournee

Weine-aus-portugal Wieder zieht die portugiesische Wein-Karawane durch Deutschland. Über 40 portugiesische Weinproduzenten stellen ihre Erzeugnisse vor. Diesmal  jedoch nicht nur für das Fachpublikum, sprich Händler und Journalisten, sondern  auch für jeden Weinliebhaber , gegen einen Obulus von 15 €.

Die Stationen sind München am Dienstag, den 27.5.,
Wiesbaden am  Mittwoch, den 28.5. und Hamburg am Donnerstag, den 29.5..2008.
Mehr Infos hier.

Ich selbst werde am Mittwoch in Wiesbaden sein und mich hauptsächlich am Stand von VINKO/ VINIHOLD mit Mike Steffens aufhalten. Es ware schön, wenn auch andere Blogleser und Portugal-Weinliebhaber dorthin kommen und man sich einmal persönlich, von Angesicht zu Angesicht, kennenlernt.

Portwein und Lifestyle

Eine neue Kategorie habe ich soeben eingeführt: Portwein und Lifestyle. Hier und in meinem Portwein-Shop werde ich in Zukunft, nicht immer ganz ernst gemeinte, Kombinationsmöglichkeiten von Portwein mit anderen schönen  Dingen des  Lebens vorstellen. Fundsachen, die ich beim Surfen im Netz finde. Weitere Tipps und Hinweise sind willkommen und werden hier veröffentlicht. (Bitte Kommentarfunktion benutzen.)
Den Anfang macht heute  Burmester.
Wie wäre es, einen Burmester 40 Year Old Tawny Port auf einer 55 Jahre alten Yacht von Burmester zu trinken?
Das Angebot (von 2002!) finden Sie hier.
Und so sieht das Boot aus
Burmester-motoryacht

22. Mai 08

Quinta do Crasto Douro Red 2006

Viddler.com - IntoWineTV - Episode 33- 2006 Quinta do Crasto Douro Red - Uploaded by IntoWineTV_1211459454250 Unter dem Motto "Wines by Women" stellt Lisa Kolenda von 'IntoWineTV' 24 verschiedene Weine vor, wo entweder der Önologe oder der Besitzer eine Frau ist.
In der 33. Folge vom 29.4.2008 wird der Quinta do Crasto Douro Red 2006 (Besitzer sind Leonor und und Jorge Roquette) in einer Blindverkostung vorgestellt. Die beiden Verkoster sind Pamela Busch und Bartholomew Broadbent.

Hier die Expertise von Qta. do Crasto.

Hier geht es zur Webseite von Qta. do Crasto.

Hier finden Sie alle Tafelweine  der Qta. do Crasto
und hier alle Portweine im Portwein-Shop.

19. Mai 08

Über die Lagerung von Sherry, Port und Madeira.

Ein Beitrag von Dr. Peter Reutter

Lagerungmadeira So unterschiedlich sich die drei großen verstärkten Weine in Herkunft, Produktion und Geschmack präsentieren, so unterschiedlich stellt sich auch deren Lagerung im Weinkeller dar. Streng genommen benötigen Sherry, Madeira und die meisten Portweine keine Lagerung, sie kommen trinkfertig in den Handel. Nur Vintage Port, Late Bottled Vintage Port und Crusted Ports müssen gelagert werden, um ein Optimum an Genuss zu erreichen. Was die Lagerung von Colheita-Ports angeht, so scheiden sich die Geister - mir persönlich fehlt diesbezüglich eine ausreichende Erfahrung um mitreden zu können.
Aber wenn ich die meisten dieser leckeren Weine doch gleich schon trinken kann (mit den oben drei genannten Ausnahmen), warum reden wir dann über Lagerung? Für eine Lagerung gibt es mehrere sehr gute Gründe, die im Einzelnen nachfolgend aufgeführt werden sollen:

1. Lagern, um eine Sammlung zu erweitern.
2. Lagern für besondere Gelegenheiten.
3. Lagern als Antwort auf einen volatilen Markt.
4. Lagern, um ein Optimum an Reife zu erzielen.
5. Lagern, als Investment.
6. Lagern, um zu sparen (?).
7. Lagern, um Weinfehler zu vermeiden.
8. Lagern, weil es Spaß macht.

Zu den Gründen im Einzelnen: (Und ich bin sicher, dass es noch mehr gute Gründe gibt...)
1. Lagern, um eine Sammlung zu erweitern.
Wenn man erst einmal angefangen hat, Wein zu sammeln, ist bald der Punkt erreicht, wo man gewisse Referenz-Weine seines Sammelgebietes erwerben möchte.
Es gibt eben einige besonders gut gelungene Exemplare, die sich durch ihre Perfektion von der breiten Masse der Weine abheben. Solche Ausnahme-Weine sind natürliche Kandidaten für eine Sammlung. Sei es, um sie bei Verkostungen zum Vergleich heranzuziehen, oder um sie für ganz besondere Ereignisse aufzubewahren, was uns geradewegs zu Punkt 2 führt.
2. Lagern für besondere Ereignisse.
Gerade Vintage Port oder Vintage Madeira eignen sich aufgrund des guten Alterungspotentials ideal, um diesen Wein seinen Kindern und/oder Enkelkindern zur Hochzeit oder ähnlichen wichtigen Ereignissen zu schenken. Vintage Port wird natürlich ein oder zwei Jahre nach der Geburt des Kindes gekauft, Madeira wegen der anderen Herstellungsweise wesentlich später. Vergleicht man dabei die Wahrscheinlichkeit einer sicheren Alterung mit dem Preis des Weines, ist Vintage Port der ideale Kandidat. Rotweine aus den Regionen Burgund oder Bordeaux, die traditionell ebenfalls gerne für diesen Zweck eingelagert wurden, sind im Verhältnis deutlich teurer und wesentlich empfindlicher.
3. Lagerung als Antwort auf einen volatilen Markt.
Oft ist die präventive Lagerung von Wein die einzige Chance, Zugriff auf den Wein zu haben, wenn der Markt schon längst leergefegt ist. Dies muss nicht immer daran liegen, dass der Wein so begehrt war, obwohl dies bei Port und heutzutage auch bei Madeira in der Regel der Fall ist. Beim Sherry aber ist es der umgekehrte Fall: Aufgrund der geringen Nachfrage macht die gesamte Sherry- Branche seit Jahren (um nicht zu sagen Jahrzehnten) einen stetigen Prozess des Schrumpfens durch. Zahlreiche berühmte Marken sind dadurch vom Markt verschwunden und -wenn überhaupt- nur noch auf Auktionen erhältlich. Ein zögerliches Sherry-Revival scheint sich anzubahnen, hoffentlich kommt es nicht zu spät. Übrigens galt ähnliches auch für Madeira bis etwa Mitte der 90er Jahre. Zu diesem Zeitpunkt war der Markt auf die jetzt noch 7 existierenden Firmen geschrumpft. Viele berühmte alte Produzenten (Torreao, Acciaioly, Shortridge, usw.) waren dem allgemeinen Desinteresse an verstärkten Weinen zum Opfer gefallen.
4. Lagern, um ein Optimum an Reife zu erzielen.
Vintage Port, Late Bottled Vintage Port (LBV) und Crusted Port sind Weine die einer längeren Lagerung bedürfen. Sie zu früh zu trinken würde heißen, sich um den optimalen Genuss zu bringen. Somit bietet sich eine Lagerung im eigenen Keller an, um den richtigen Wein zum richtigen Zeitpunkt trinken zu können.
5. Lagern als Investment.
Ein Klassiker des privaten Kellermanagements ist der Erwerb einiger Kisten eines spekulativen Weines zwecks Einlagerung und späteren Verkaufs mit Gewinn.
Damit würden dann Neuerwerbungen finanziert. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass man bei diesem Investment auch hervorragend scheitern kann. Zumal es dem ambitionierten Sammler schwer fallen wird, sich von einem lieb gewonnenen Wein wieder zu trennen. Jedenfalls ist Wein als Investment eine riskante Angelegenheit und eher ein Glückspiel als eine solide Wertanlage.
6. Lagern, um zu sparen (?).
Bei manchen Weinen lohnt sich der frühe Kauf, beispielsweise in der Subskription, mit nachfolgender langer Lagerung. Man erwirbt den Wein zu einem noch bezahlbaren Preis, während er später kaum noch finanzierbar ist. Dies gilt wegen der Herstellungsweise nur für Vintage Port. Einige Portweine kann man per Subskription erwerben, wobei man sich dabei aufgrund des frühen Kaufs in der Regel auf das geschmackliche Urteil Anderer verlassen muss. Wie die Entwicklung der Premiers Crus in Bordeaux gezeigt hat, kann man bei einer Subskription allerdings auch kräftig danebenliegen.
7. Lagern, um Weinfehler zu vermeiden.
Sicher kann man hoffen, dass ein alter Vintage Port beim Produzenten oder Händler unter optimalen Bedingungen gelagert wurde, aber eine Garantie gibt es dafür nicht. Vielmehr muss man fürchten, dass die gut geheizte Weinabteilung eines großen Kaufhauses oder die aufrechte Lagerung im Display-Regal des Weinhändlers dem Wein Schaden zugefügt haben.
8. Lagern, weil es Spaß macht.
Dies ist sicherlich der beste Grund, Wein einzulagern. Es ist eben etwas Besonderes, ein oder zwei Kisten Wein in ihrer Entwicklung zu verfolgen, Verkostungsnotizen zu vergleichen und sich an ihrem Heranreifen zu erfreuen.
Für eine optimale Lagerung gilt es, gewisse Regeln zu beachten, die im Folgenden genauer erläutert werden sollen.

Lagerunghistorisch Und nun (endlich) zu den Lagerungs-Basics für Sherry, Port und Madeira. Dabei sind einige Besonderheiten beachten, um Enttäuschungen zu vermeiden.
1. Temperatur:
Der Wein sollte bei 12-18 Grad Celsius lagern, Madeira toleriert allerdings auch eine Lagerung bis weit über 20 Grad. Es sollten jedoch möglichst geringe Temperaturschwankungen auftreten, da ein häufiger Temperaturwechsel dem Wein mehr schadet, als eine dauerhafte Lagerung bei z.B. 18 Grad. Sollen Weine möglichst langsam reifen, um sie beispielsweise der Nachwelt (Hochzeit des Enkels!) zu erhalten, ist eine Lagerung bei 10 bis 12 Grad Celsius in einem klimatisierten Weinkeller die beste Wahl.
2. Licht:
Der Wein sollte ohne Licht und insbesondere ohne Neon-Licht gelagert werden. Vor allem Champagner reagiert sehr empfindlich auf Neon-Licht, aber auch die anderen Weine ruhen am Besten in Dunkelheit.
3. Gerüche:
Dass Wein nicht neben dem Heizöltank gelagert wird, dürfte selbstverständlich sein. Auch ebenfalls stark riechende Dinge (Kartoffeln, Äpfel, Gemüse, Zigarren) haben in der Nähe von Wein nichts verloren.
4. Erschütterungen:
Wein sollte vibrationsfrei gelagert sein. Es ist also auf einen ausreichenden Abstand zu Waschmaschine, Garage, Wärmepumpe, usw. zu achten.
5. Luftfeuchtigkeit:
Eine relative Luftfeuchtigkeit um 70% ist ideal für die Lagerung von Wein. Der Korken trocknet nicht so schnell aus, aber die Etiketten verschimmeln noch nicht. Wer ganz sicher gehen möchte, der versiegelt seine Flaschen zusätzlich, was gleichzeitig den Korken vor einem ungebetenen Besuch der Korkmotte schützt.
6. Position:
Sherry sollte stehend gelagert werden! Die Empfehlungen des Sherry- Informationsbüros und der Produzenten sind in dieser Hinsicht ganz eindeutig. Während sich Fino, Manzanilla und Amontillado aufgrund ihrer unvollständigen Oxidation ohnehin nicht für eine lange Lagerung eignen, können alle Sherries auf Oloroso-Basis jahrelang oder jahrzehntelang gelagert werden. Oloroso reift ohne Flor-Schicht und ist damit vollständig durchoxidiert. (Fast) Alle süßeren Sherry-Varianten basieren auf Oloroso, so dass diese Weine gut gelagert werden können. Auch die süßen Pedro-Ximenez- und Moscatel-Sherries sind ohne Flor-Schicht gereift, also oxidativ ausgebaut, und können somit gut gelagert werden.
Port sollte liegend gelagert werden, insbesondere Vintage Port der für eine lange Lagerung vorgesehen ist. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Korken über die Jahre hinweg langsam austrocknet und eine merkliche Oxidation des Weines stattfindet. Auch das Risiko einer Leckage kann so reduziert werden. Port ist damit unter den drei genannten Südweinen eine Ausnahme.
Madeira sollte stehend gelagert werden. Da der Wein nach Oxidation in der Estufa oder als Canteiro-Wein so ewig lange haltbar ist, erscheint er stabiler als der Korken selbst. Madeira Flaschen sind in der Regel wachsversiegelt, das Risiko einer Austrocknung besteht also kaum. Im Übrigen haben Forschungen aus Geisenheim schon vor Jahren gezeigt, dass in dem Luftraum unter dem Korken eine gesättigte Atmosphäre vorliegt, die meistens für eine ausreichende Durchfeuchtung eines Korkens sorgt. Selbst eine geringe Oxidation durch eintretende Luft würde Madeira nicht schaden, vielmehr den oxidativen Charakter erhalten. Die Madeira-Produzenten selbst empfehlen ebenfalls eine stehende Lagerung. Auf diese Weise wird eine zu rasche Alterung des Korkens durch Kontakt mit dem Wein vermieden. Trotzdem sollte eine Neuverkorkung alle 30 bis 40 Jahre erwogen werden, damit es nicht zu unliebsamen Leckagen kommt.

Bildnachweis:

Foto 1 zeigt die Lagerung der Teilhaber-Kollektionen bei der Madeira Wine Company.

Foto  2 ist eine historische Fotographie im IVBAM (ehemals IVM-Instituto Vinho Madeira)) über die Lagerung von Weinen vor dem Versand bei Leacocks.

15. Mai 08

Spanier verkosten Douro-Weine

Die Rivalität zwischen den beiden iberischen Ländern hat eine lange Geschichte, auch im Weinanbau. Dass der "kleine" Bruder hier langsam aufholt und der "große" ihm immer mehr Respekt und Anerkennung zollt, zeigt eine große Dourowein-Verkostung, die  "elmundovino" im April durchführte.  Insgesamt wurden 64 Weine, aufgeteilt in 2 Gruppen à 32, probiert und bewertet.  Davon wurden 3 mit  'exzellent' (18, bzw. 17,5 Punkte) und 11 mit 'sehr gut' (17-16 Punkte) bewertet. 
Der Gewinner ist zweifellos Jorge Nobre Moreira, der mit seinem 'Poeira 2005' den 1. Platz belegte, als einziger Wein erhielt er 18 Punkte, und mit 'La Rosa Cerejinha 2005' von der Quinta de la Rosa deren Önologe er ist, auch noch den 2 Platz.
Etwas enttäuschend und überraschend schnitten die Niepoort-Weine ab. Weder dem 'Batuta 2005' (16,5 P.) noch dem  'Charme 2005' (16 P.) gelang der Sprung in die Spitzengruppe der ersten 5.

Hier die ersten 6:

- Poeira 2005 (18 Punkte),
- La Rosa Cerejinha 2005 (17,5 P.),
- Passadouro Reserva 2005 (17,5 P.),
- Curriculum Vitae (CV) 2005 (17 P.),
- Pintas 2005 (17 P.),
- Quinta do Vallado Reserva 2005 (17 P.)

11. Mai 08

Portweinglas von Alvaro Siza Vieira

Sizaportweinglas300Seit einigen Tagen habe ich sie wieder in meinem Programm - die Portweingläser entworfen von dem Architekten Álvaro Siza Vieira.








Foto: Produktfoto von Zwiesel

06. Mai 08

Web 2.0 für Weinfreunde

Einen aktuelle Bestandsaufnahme des Social Shoppings für Weinfreunde in Deutschland gibt es  heute bei "Exciting Commerce".
Nach "My Cellar" und "Verkostet" gibt es inzwischen noch "Amivini". Das Fazit: "Einen wirklich überragenden Eindruck macht noch keine der drei Seiten." Aber wir sind ja erst am Anfang...

03. Mai 08

Mai-News von 'Infoportwine' online

Die Mai-News von 'Infoportwine' sind seit heute online. Besonders die 3 ersten Punkte sind beachtenswert, der Verkauf von Delaforce an Real Companhia Velha und dessen Begründung von Fladgate, die Vintage-Deklarationen 2006, oder besser Nicht-Deklarationen und die Exportzahlen für Portwein des Jahres 2007. Hier alle Themen:
- Fladgate sells Delaforce to Real Companhia Velha.
-
Not many 2006 Vintages.
-
Sales numbers entire 2007 (2).
-
IVDP events calendar as of May 2008.
-
National Women’s Wine Competition 2008 - Californië.
-
Monde Selection 2008 - Belgium.
-
Wine Masters Challenge 2008 - Estoril.
-
Vinitaly 2008.
-
Challenge International du Vin 2008 - Bordeaux, with extra prize Sandeman.
-
Dallas Morning News Wine Competition 2008.
-
Concours Mondial de Bruxelles 2008.
-
San Diego International Wine Competition 2008.
-
Revista de Vinhos no. 221, April 2008.

02. Mai 08

'Coa, Tal der 1.000 Gemälde' auf 'arte'

CoaguiaAm morgigen Samstag, den 3.5.2008, um 21.50 Uhr zeigt 'arte' einen 52-minütigen Dokumentarfilm über die Felszeichnungen im Vale do Coa.

Wiederholungen gibt es am 4., 11. und 16. Mai 2008.




Das Foto zeigt eine Führerin des Parks, die einige meterhohe Zeichnungen erklärt.



Foto: Gerd Gerhard 6/2006

Douro-Tal in 'National Geographic Traveler'

NationalgeotravelerIn der neuesten Ausgabe von 'National Geographic Traveler' befindet sich eine große Reportage über das Douro-Tal - "a self-guided hiking tour through the Douro Valley wine district in Portugal". Leider ist der komplette Bericht nicht online, aber es gibt eine Bilderschau mit Aufnahmen  von dem Fotografen Michael Melford.
Mir gefällt besonders Bild Nr. 7, aufgenommen im Garten der Quinta do Visconde  de Chanceleiros, wo ich auch im Oktober 2007 war und das gleiche Motiv fotografiert habe:

Chanceleirosstuehle10071_2









Foto: Gerd Gerhard 10/2007
Zu dem Foto schreibt der Autor des Artikels, Rachel Howard, "At Chanceleiros, it was easy to shut out the rest of the world." Dem kann ich nur voll zustimmen....saudades.

25. April 08

Heute